Zwischen Himmel und Erde
Die Geschichte der GloggaSträggele zu Rottenburg

 

Die Rottenburger GloggaSträggele verdanken ihr Bekanntwerden den Rottenburger Domtürmern, vor allem aber der letzten Türmerin vom Rottenburger Dom. Ganz weit dort oben über den Dächern und Kaminen der Stadt war sie dem Himmel sehr nahe. Sie hatte mehr Licht und mehr Sonne in den Fenstern, mehr Luft und mehr Freiheit um sich als jeder andere in der Stadt. Doch es gab in der Höhe unterm Himmel zuweilen auch schwierige Zeiten.

Sie erzählte viele Geschichten. Doch eine Geschichte hat sie von dort oben mit ins Grab genommen. Es war ihr ganz besonderes Geheimnis, ein unerklärliches, mystisches Geheimnis.

Bis heute wird darüber gemunkelt, dass sie dort oben im Domturm mit Wesen in Verbindung stand,  die zwischen dem Diesseits und Jenseits waren: GloggaSträggele, sogenannte Schamanen aus der Geisterwelt. Ob die GloggaSträggele nun gut oder böse waren, darüber wird bis heute spekuliert. Aber eins galt als sicher: Nicht nur die Türmer standen unter dem Schutz der GloggaSträggele, sondern auch der Rottenburger Dom und vor allem seine Glocken, worin auch die Geschichte ihren Ursprung fand.

Bei dem verheerenden Stadtbrand 1644 suchten viele Rottenburger Schutz im Dom. Während sich unten im Turm alle in Sicherheit wogen, hatte das Feuer im Turm bereits gewütet, der Glockenstuhl brach unter gewaltigem Tosen zusammen. Die Glocken stürzten in die Tiefe und rissen ein Dutzend Unglückliche in den Tod. Ihre Seelen verschmolzen mit der Glocke, und sind seither in Bronze gefangen. Dass seither allen die dem Dom wohlgesonnen waren nie ein Leid geschah, liegt wohl bis zum heutigen Tage daran, dass diese Seelen im Volksmund GloggaSträggele genannt, ihre letzte Ruhestätte, „ihre“ Glocke und „ihren“ Turm beschützen wollen. Wer sich Ihnen widersetzt, wird gebrandmarkt und bis in seine Träume verfolgt. Mit ihrem Stab werden die Bösen in die Flucht getrieben, die Guten hingegen werden vor drohendem Unheil gewarnt.